
Darmkrebs ist für viele Menschen noch immer ein Thema, das sie lieber verdrängen. Zu unangenehm, zu beängstigend, zu weit weg – jedenfalls so lange, bis aus einer vagen Sorge plötzlich eine ernste Diagnose wird. Dabei gibt es kaum eine Krebserkrankung, bei der Vorsorge und Früherkennung so viel bewirken können. Genau darauf machen die Verantwortlichen des Darmkrebszentrums am St. Elisabeth Hospital Iserlohn, in dem die Experten aus den Kliniken St. Elisabeth Hospital Iserlohn, dem St. Vincenz Krankenhaus Menden und dem St.-Josefs-Hospital Hagen kooperieren, aufmerksam. Dort setzen die Spezialisten auf modernste Diagnostik, schonende Therapieverfahren und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Teamarbeit mit interdisziplinärer Tumorkonferenz
„Die Behandlung von Darmkrebs ist bei uns eine engmaschige Teamarbeit“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Büchter, Chefarzt der Gastroenterologie am St. Elisabeth Hospital Iserlohn. „Wir haben sehr strukturierte und kurze Wege für unsere Patientinnen und Patienten. Gerade bei einer Erkrankung wie Darmkrebs ist es entscheidend, dass Diagnostik, Therapieplanung und Behandlung eng verzahnt ineinandergreifen.“ Ein zentrales Element dieser Zusammenarbeit ist die interdisziplinäre Tumorkonferenz. Dort werden alle Darmkrebsfälle gemeinsam besprochen – mit Experten aus Gastroenterologie, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie. Bei Bedarf werden weitere Fachbereiche eingebunden. Ziel ist es, streng leitliniengerecht zu arbeiten und gleichzeitig für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept zu entwickeln. „Kein Darmkrebsfall ist wie der andere“, betont Dr. med. Jamal Driouch, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am St. Elisabeth Hospital Iserlohn. „Wir betrachten nicht nur den Tumor, sondern immer auch den Menschen dahinter: seinen Allgemeinzustand, mögliche Vorerkrankungen, die persönliche Belastbarkeit und die Frage, welche Therapie im individuellen Fall wirklich die beste ist.“
Je nach Befund kann die Behandlung aus einer Operation, einer medikamentösen Therapie, einer Bestrahlung oder einer Kombination dieser Verfahren bestehen. Dabei hat sich die moderne Krebsmedizin in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. „Viele Menschen denken bei Krebsbehandlung immer noch sofort an die klassische Chemotherapie“, so Dr. Büchter. „Tatsächlich gibt es heute aber auch zielgerichtete und immunonkologische Therapien, die Tumore deutlich präziser angreifen können und für viele Patientinnen und Patienten besser verträglich sind.“
Das Darmkrebszentrum am St. Elisabeth Hospital Iserlohn betreut nicht nur Patientinnen und Patienten aus Iserlohn, sondern auch aus Menden und Hagen. Alle Fälle werden zentral in der Tumorkonferenz vorgestellt, die Operationen erfolgen in Iserlohn. Die Bündelung der Expertise und die Behandlung hoher Fallzahlen steigern die Versorgungsqualität spürbar. „Unsere Patientinnen und Patienten profitieren von der Erfahrung eines gesamten Teams und von eingespielten Abläufen“, sagt Dr. Driouch. „Komplikationen sind glücklicherweise eher selten, aber selbst wenn sie einmal auftreten, können wir sehr schnell und abgestimmt reagieren.“ Eine entscheidende Rolle spielt dabei die moderne Diagnostik. Denn Darmkrebs entsteht in vielen Fällen über Jahre aus zunächst gutartigen Polypen. Werden diese früh erkannt, kann Krebs häufig verhindert werden, bevor er überhaupt entsteht. „Die Vorsorgekoloskopie ist und bleibt deshalb ein zentraler Baustein und der wichtigste Hebel in der Darmkrebsmedizin“, erklärt Dr. Büchter. „Dank modernster Endoskopietechnologie können wir Polypen heute hochauflösend darstellen und mithilfe künstlicher Intelligenz noch zuverlässiger erkennen und charakterisieren.“
Modernste Ausstattung mit hochentwickelter KI-Unterstützung
Die KI unterstützt nicht nur bei der Entdeckung von Auffälligkeiten, sondern zunehmend auch bei deren Einordnung. So lässt sich frühzeitig beurteilen, ob ein Befund direkt endoskopisch entfernt werden kann (Charakterisierung) oder ob weitere Diagnostik beziehungsweise eine Operation erforderlich ist. Durch verbesserte Resektionstechniken können mittlerweile nicht nur Krebsvorstufen (Polypen), sondern auch frühe Stadien von Darmkrebs mit der Endoskopie entfernt werden. Auch in der Chirurgie haben sich die Möglichkeiten deutlich verändert. Heute kommen vielfach minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. Operiert wird in vielen Fällen in der sogenannten „Schlüssellochtechnik“ – mit winzigen Schnitten, moderner 3D-Visualisierung und einer deutlich kürzeren Erholungszeit. „Wir können heute dank unseres hochmodernen Da Vinci-Operationssystems der neuesten Generation sehr präzise und zugleich extrem schonend operieren“, sagt Dr. Driouch. „Dabei achten wir besonders darauf, empfindliche Nervenstrukturen zu schützen und die Belastung für die Patientinnen und Patienten so gering wie möglich zu halten.“ Wird bei einer Untersuchung tatsächlich ein Krebsbefund festgestellt, greifen im Darmkrebszentrum klar definierte Abläufe: auf die Diagnosestellung folgen weiterführende Untersuchungen, die Besprechung in der Tumorkonferenz und anschließend ein individuelles Therapiekonzept. Auch die direkte Anbindung an Onkologie, Chirurgie oder Strahlentherapie wird unmittelbar organisiert. „Uns ist wichtig, dass die Betroffenen nach einem positiven Befund nicht allein gelassen werden“, betont Dr. Büchter. „Sie erhalten bei uns ein komplettes, abgestimmtes Therapiekonzept und eine direkte Anschlussversorgung.“
Am Ende bleibt trotz aller technischen Fortschritte eine klare Botschaft: Darmkrebs ist eine ernste Erkrankung – aber eine, bei der Vorsorge, Früherkennung und moderne Medizin heute enorm viel bewirken können. „Je früher wir Veränderungen erkennen, desto besser sind die Heilungschancen“, sagt Dr. Büchter. Dr. Driouch ergänzt: „Die beste Behandlung ist immer die, die möglichst früh beginnt – oder im besten Fall gar nicht erst nötig wird, weil Vorsorge rechtzeitig greift.“